Montag, 26. Oktober 2009

Kirsten Heiberg - Vita - Filmographie - ausführliche Biographie Teil 1

Dies ist eine Seite über die norwegische Sängerin und Schauspielerin



Kirsten Heiberg

(1907-1976)



Hier wird regelmäßig über Kirsten Heiberg und NEWS über Sie berichtet ....





Kirsten Heiberg (Anfang der 1940er Jahre, Archiv des Autors)


Kirsten Heiberg -

25.04.1907 (Kragerö) – 02.03.1976 (Oslo). Zwischen 1930 und 1936 trat sie in zahlreichen Revuen und Thetaerstücken in Oslo und Bergen auf. Sie drehte drei norwegische und drei schwedische Filme. 1937 hatte sie ihr deutschsprachiges Debüt im "Theater an der Wien" in dem musikalischen Lustspiel Pam Pam. Dort lernte sie den deutschen Komponisten Franz Grothe kennen, den sie 1938 in Oslo heiratete und mit ihm fortan in Berlin lebte.

Sie spielte in zahlreichen Filmen. Franz Grothe schrieb ihr zahlreiche Chansons und Filmmusiken für ihre eindrucksvolle Altstimme auf den Leib.
Als attraktive Ausländerin wurde sie vor allem nach Kriegsbeginn überwiegend als "femme fatale" im Sinne eines „Engel noir“ eingesetzt. Hafenschenken, Falschmünzer und Schmuggler wurden ihr Milieu. Außer in dem Filmen Liebespremiere (1943) und ihren Nachkriegsfilmen konnte sie ihr großes schauspielerisches Talent in Deutschland leider nur selten zeigen. Als sie ihren Unmut über die Besetzung ihrer norwegischen Heimat (April 1940) kundtat und sie weigerte vor deutsche Truppen in Norwegen aufzutreten, erhielt sie zwei Jahre Filmverbot.

Nach dem Krieg drehte sie noch drei Filme in Deutschland, trennte sich von Franz Grothe und kehrte 1951 nach Norwegen zurück. Dort strafte man sie mit Nichtachtung als deutsche Spionin und Vaterlandsverräterin. Von 1952-1960 spielte sie am Tröndelag Theater in Trondheim. Ein kurzer, aber gut bezahlte Filmauftritt in dem deutschen Spielfilm „Bei dir war es immer so schön (1953) verstärkte die norwegischen Ressentiments gegen sie. Sie versuchte vergeblich beim norwegischen Film oder Theater in Oslo Fuß zu fassen. Sie spielte Theater und gab Schauspielunterricht. Ihre letzten Lebensjahr verbrachte Kirsten Heiberg in Oslo und starb dort vereinsamt 1976. Ihre Asche wurde auf dem Friedhof ihrer Heimatstadt Kragerö beigesetzt.




Filmographie


Synderer i Sommersol (Sünder unter Sommersonne), Norwegen, 1933
Sangen om Rondane (Das Lied von Rondane), Norwegen 1934
Du har lovet mig en kone (Du hast mir eine Frau versprochen), Norwegen 1935
Han, hon och pengarna (Er, sie und die Gelder/Er, sie und das liebe Geld), Schweden 1936
Ryska snuvan“(Der russische Schnupfen), Schweden 1936
O, en sann natt“ (Welch eine Nacht), Schweden 1937

Frauen für Golden Hill (1938)
Alarm auf Station III (1939)
Der singende Tor (1939) (Arbeits- und Kinotitel: Gang in die Nacht; Mord um Mitternacht)
Casa Lontana (1939) ital. Version von “Der singede Tor”
Achtung! Feind hört mit (1940)
Falschmünzer (1940)
Titanic (1941-43)
Liebespremiere (1942/43)
Die goldene Spinne (1943)
Die schwarze Robe (1944)
Eines Tages (1944/45)
Rätsel der Nacht (1945)

Amico, (1948) (Arbeitstitel: Hinter deinem Rücken)
Hafenmelodie, (1949) (Titel in der DDR:Verschollen in Sydney)
Furioso/Opfer des Herzens, (1950)
Bei dir war es immer so schön, (1953)

Broder Gabrielsen (Bruder Gabrielsen), Norwegen 1966


In Klammern stehen die deutschen Übersetzungen ihrer norwegischen und schwedischen Titel. Sie wurden alle nie in Deutschland gezeigt.



Eine Biographie über die norwegisch-deutsche Künstlerin ist derzeit in Arbeit.

Ich suche immer Menschen, die sich auch für Kirsten Heiberg interessieren, Informationen oder Material über Kirsten Heiberg zur Verfügung stellen können.


Hier ein ausführlicher Biographischer Lebenslauf, der in Abschnitten fortgeschrieben wird....



Kindheit und Bühnenanfänge

Kirsten Heiberg wurde als älteste Tochter des Holzkaufmanns Sverre Heiberg und seiner Frau Johanne Marie in der südnorwegischen Küstenstadt Kragerö geboren.
Ihre jüngere Schwester Else Catherine (05. 11.1910 ), wurde später eine bekannte norwegische Bühnenschauspielerin. Kirsten wuchs in Oslo, dem damaligen Kristiana und teilweise in Kongsberg, in einem sehr kunst- und musikfreudigen Elternhaus auf.
Angeblich sang sie als Kind oft mit der Mutter Duette und hatte schon in jungen Jahren eine große Freude daran, in Jungenverkleidung kleine Liedchen zu singen.
Nach der Schule besuchte sie eine Art Akademie für Kunstgeschichte und Literatur. Sie erhielt eine Sprachausbildung in Oxford, Dijon und in der Schweiz. Bei einer Schulaufführung soll sie in der Rolle des alten Ekdals in Ibsens „Wildente“ so ergreifend und packend gespielt haben, dass man ihr riet, zur Bühne zu gehen. Ihre Schauspielausbildung, zu der auch eine Tanz- und Gesangsausbildung gehörte, begann sie in Oslo. Zu jener Zeit gab es in Norwegen keine schulische Schaupielausbildung im heutigen Sinne. Man lernte bzw. las privat bei älteren Schaupielern. So studierte Kirsten Heiberg bei Halfdan Christensen und Agnete Schibsted Hansen.

1929 kam sie nach Bergen, der zweitgrößten Stadt des Landes, zu „Den Nationale Scene“ (Der nationalen Bühne), dem ersten norwegischen Theater. Am Nationaltheater in Oslo war sie, entgegen diverser zeitgenössischer Quellen , nie engagiert war. Ihr Debüt gab Kirsten Heiberg am 17.12.1929 als Prinzessin Dagry (Prinzessin Morgengrau) in dem Stück „Den uskikkelige prinsesse“ (Die unartige Prinzessin) von Gabriele Reuter (Q: Den nationale Scene).


Die Filmkarriere
In den Dreißigerjahren steckte der norwegische Film noch in den Kinderschuhen. Gedreht wurde in Sporthallen, Schulen, auf kleinen Theaterbühnen und in Freilichtmuseum Oslo. Norwegen hatte zu diesem Zeitpunkt eine relativ geringe Einwohnerzahl. Die norwegischen Kinos waren zu dieser Zeit alle in kommunalem Besitz. Die Produzenten hatten nur geringe Gewinne, da die Gelder bei Kassenerfolgen in die städtischen Steuerkassen flossen. Aus diesen Gründen erklärt sich, wieso zwischen dem Frühjahr 1931 und der deutschen Besatzung 1940 „nur“ 24 norwegische Tonfilme (Sprechfilme) entstanden.

Im Sommer 1933 wurde der Film auf Kirsten aufmerksam. Ihr erster Film „Syndere i sommersol“ (Sünder unter (der) Sommersonne) nach dem Roman von Sigurd Hoel, wurde im Sommer 1933 an der Küste gedreht und hatte am 15. Februar 1934 Premiere.
Es war ein „moderner Film mit jungend Menschen und neuen Problemen“ (Filmwelt 1940). Erna und Alf sind ein in wilder Ehe lebendes junges Paar. Nach einem Streit fahren sie getrennt in den Urlaub. Sie mit Freundinnen , er mit Freunden und landen, ohne es zu wissen, auf die gleiche Ferieninsel.
Kirsten Heiberg spielt in einer Nebenrolle die junge Evelyn, die aufgrund eines Versehens im Jungenzimmer untergebacht wird. Ein eher unbedeutender Film, in dem viele, später bekannte norwegische Schauspieler ihre erste Filmrolle hatten.
Nach Synderere folgten 1934 „Sangen om Rondane“ (Das Lied von Rondane) (Uraufführung am 16.11.1934) und „Du har lovet mig en kone“ (Du hast mir eine Frau versprochen), der am 30. 09.1935 Premiere hatte.





Bild aus dem Film "Du hast mir eine Frau versprochen"



Im Januar 1935 kam Kirsten Heiberg ans Osloer „Scala Theater“, einem vorwiegend auf Revuen spezialisierten Theater. Dort spielte sie im August 1935 in der Revue „Vi har den aere“ (Wir haben die Ehre), einer frechfrivolen Satire auf die Zeitschrift „Vi og vare hjem“ (Wir und unsre Heime/Häuser) und ihre Leser aus der besseren Gesellschaft.
Zwei Lieder der Revue „Min cigarett og jeg“ (Meine Zigarette und ich) und „Vi selv og våre hjem“ (Wir selber und unser Zuhause) nahm Kirsten im September 1935 in Oslo auf ihrer einzigen norwegischen Schellackplatte für His Masters Voice (HMV)auf.

Im Januar 1936 besuchte Karin Swanström, eine Art schwedische Adele Sandrock und Direktorin der schwedischen Filmindustrie, die Revue, um Gustav Wally zu sehen. Sie war von Kirsten Heiberg und ihrer Darstellung begeistert und bot ihr einen Filmvertrag für Schweden an. 1936/37 entstanden in Stockholm drei schwedischen Filme.
1936 entstand die Komödie „Han, hon och pengarna“ (Er, sie und die Gelder/ Er, sie und das liebe Geld).
In dieser turbulente Komödie spielte und sang Kirsten Heiberg mal als brave Sekretärin, mal als blonder Vamp das von Jules Sylvain komponierte „La Margarita“.




Ein Standbild und das Filmplakat aus "Han, hon och pengarna"



http://www.youtube.com/watch?v=eAkAy9ednkQ
Tanz- und Gesangsszene mit der "La Margarita" aus "Han, hon och pengarna"


In ihrem zweiten schwedischen Film „Ryska snuvan“(Russischer Schnupfen) (1936), einer frechen politischen Satire gegen Russland, spielte sie die Russin Nadja und ist erstmals auf den Typ der geheimnisvollen kalten Verführerin festgelegt. Hier singt Heiberg nicht selbst, sondern wurde höchtswahrscheinlich von der schwedischen Opernsängerin Helga Görlin, die öfters Synchrongesungen hatte, synchronisiert. 1937 folgte ihr letzter schwedischer Film, die Komödie „O, en sann natt“ (Welch eine Nacht). In diesem Streifen spielte sie eine kleinen Rolle als blonden Vamp, der allerhand Verwirrung stiftet.

Operettenstar in Wien
Das Jahr 1937 wurde zum Schicksalsjahr der Kirsten Heiberg in beruflicher und privater Hinsicht. Sie trat dann quasi die Nachfolge der Schwedin Zarah Leander in Wien an, die 1936/37 am „Theater an der Wien“ Erfolge in der Benatzkyoperette „Axel an der Himmelstür“ an der Seite von Max Hansen gefeiert hatte. Leander wurde nach ihrem ersten österreichischen Film „Premiere“ von der Ufa nach Berlin verpflichtet. Kirsten Heiberg sollte die Nachfolgerin Leanders in „Axel an der Himmelstür“ werden. Dies lehnte die Heiberg, die aufgrund ihres Aussehen und ihrer Stimme schon in Schweden mit dem ständigen Vergleich hatte leben müssen, ab. Stattdessen übernahm Heiberg die Hauptrolle in dem musikalischen Singspiel „Pam Pam“ von Stephan Weiss und Fritz Spielmann. Einer der Textdichter war Max Kolpe (Max Colpet). Der festlichen Premiere von „PamPam“ am 3.11.1937 wohnte auch der österreichische Bundeskanzler von Schuchnigg bei. Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt. In einem leerstehenden New Yorker Theater haben sich drei verkrachte Existenzen, die sich auch als Geldfälscher betätigen, einquartiert. Die Idylle wird durch ein junges Mädchen aus der Provinz gestört, die die drei für Schauspieler bzw. den Direktor des Theaters hält. Sie nehmen die Unbekannte bei sich auf und geben ihr schließlich den Namen „Pam Pam“. Ein junger Polizist, der zwischen heimlicher Liebe zum Theater und Detektivspürsinn schwankt, bringt schließlich die Truppe vor Gericht, wo der dritte Akt spielt. Hier geht das Werben um Pam-Pam bis hin zum Happy-End weiter. Inszeniert wurde das Stück von Anton Paulik, der auch selber mitspielt.

Vier Lieder aus der Operette Pam Pam nahm sie auch auf Schellackplatte auf:
-Abends am Klavier, Duett mit Max Spielmann,
-Frag nicht nach der Vergangenheit
-Unsichtbare Tränen
-Wie der Schnee vom vergangen Jahr

Im Gegensatz zu der heute vergessenen Revue feierte der neue skandinavische Star in Wien Triumphe. So schrieb die Zeitschrift „Wiener Bilder“ über den neuentdeckten Star Kirsten Heiberg und prophezeite ihr eine große Zukunft (Wiener Bilder Nr. 45, 1937).

Das „Neues Wiener Journal“ vom 04.11.1937 schrieb über Kirsten Heiberg:
„Wieder ein Star aus dem Norden, die schöne und kapriziöse Kirsten Heiberg wirbelt in der Titelrolle mit viel Charme und Schalkhaftigkeit über die Bühne und zeigt auch achtenswerte Gesangsqualitäten“.

Die Liebe - Franz Grothe
Ähnliches muss auch der Berliner Komponist Franz Grothe( 1908-1978) gedacht haben, der das Stück besuchte, als er für Musikarbeiten zu einem Film in Wien weilte. Über ihr Kennenlernen mit Grothe äußerte sich Heiberg wie folgt:
„Mein Bild hing damals an jeder Ecke in Übergröße. Franz, so gestand er mir später, äußerte einem Freund gegenüber“: Diese Frau will ich heiraten“. Er sorgte dafür, das wir uns kennen lernten. Obwohl ich es nie für möglich gehalten hatte, war es Liebe auf den ersten Blick“.

Ihr Filmstart in Deutschland in dem Curt Goetz-Film „Napoleon ist an allem schuld“ (1938)
verdankte sie indirekt der Arbeit ihres Mannes. Franz Grothe schrieb die Musik zu diesem Film so auch das Chanson der Revuesängerin Fiffi alias Josephine Beauharnais „Warum hat der Napoleon“. Heiberg beschreibt ihre erste Begegnung mit Goetz so: „Ein Jahr später [nach der ersten Begegnung mit Grothe] gingen wir zum Abendessen mit Curt Goetz und seiner Gattin Valerie von Martens. Franz hatte mich vorher beschworen nicht zu erwähnen, daß ich Schauspielerin bin. Er wollte nicht, dass es später einmal heißt, ich hätte nur durch ihn Karriere gemacht. Es fiel mir sehr schwer zu schweigen. Als Curt plötzlich sagte, das ich die ideale Besetzung für seinen neuen Film „Napoleon ist an allem schuld“ wäre.“ Auf Goetz Bedauern, dass sie keine Schaupielerin sei, so habe er sich die Josephine vorgestellt, kann die Heiberg ihn korrigieren. „Später hörte er von meinen Erfolgen mit „Pam-Pam“ und ich erhielt die Filmrolle der Fiffi.“

Während der Dreharbeiten zu „Napoleon“ heiraten beide am 30. Mai 1938 in Oslo. Mit ihrer Heirat wurde Kirsten Heiberg Frau Grothe und deutsche Staatsbürgerin. Das Paar bezog eine Wohnung in die Schlüterstraße 31 im Berliner Nobelvorort Charlottenburg, ganz in der Nähe des Kurfürstendamms.

Fortsetzung folgt.....





Kommentare:

  1. Lieber Kirsten Heiberg-fan!
    Eine schöne Seite haben Sie hier!
    Nur eine Frage. Ich bin ein Norwegischer Schriftsteller, der mit K.H. arbeitet. Ich möche gern wissen: Wer oder was ist die Quelle für die Auskünften, dass K.H. ein berufsverbot bekam, weil sie sich weigerte für Deutche Truppen in Norwegen aufzutreten? In ein Radioprogramm, das in Berlin in Dezember 1940 aufgenommen wurde und in Norwegische Rundfunk in Januar 1941 zu hören war, erzählt sie, dass sie für Deutsche Truppen in Deutschland gesungen hat! Und was mit den Auskünften, dass sie sich gegen die Deutsche Okkupation von Norwegen äusserte?
    Es gibt viele Versionen von der politischen Überzeugung "der Heiberg". In Norwegen hat sie die Leuten nach dem Kriege erzählt, dass sie immer ein gegner der Nazi-regierung war. In den Jahren 1938-45 hat sie in mehrere Filme gespielt, die von Goebbels als "staatspolitisch wertvoll" (also pro Nazi) bezeichnet wurde.
    Eine schöne, reizene Frau war sie. Aber kann man diesem Menschen glauben?

    Bjørn-Erik Hanssen
    Dramatiker/Schriftsteller

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  2. Hallo!
    Auch wenn ich noch nicht alles durchgelesen habe: Vielen Dank für die Mühe. Kirsten Heiberg war eine gute Sängerin und Schauspielern. Die Fragen von Björn-Erik Hansen würden mich auch interessieren, da sie in Norwegen nach dem 2. Weltkrieg-wie ich gelesen habe-ziemlich stark angefeindet wurde.
    Viele Grüße
    Wolfgang Schneidereit
    Schellackplattensammler v.a. Kleinkunst

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